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Die ungewöhnliche Veranstaltung zieht nicht nur knapp
50 Fahrer an – auch mehrere Hundert Zuschauer haben sich
an der Rennpiste eingefunden. Franziska Lechermeier ist
eine von ihnen. Die Irgertsheimerin hat einen blauen
Eimer mit an die Strecke gebracht. Direkt bei der
scharfen Kurve an der Dreiländerstraße stellt sie ihn
mit der Öffnung nach unten auf dem Gehweg ab, um sich
darauf niederzulassen. „Hier hat man doch den besten
Blick auf die Strecke“, meint die Rentnerin, während sie
gespannt das freie Training mitverfolgt.
Und die Rennstrecke hat es durchaus in sich. Knapp 400
Meter geht es vom Zebrastreifen an der Grundschule bis
zu Sparkasse. Gestartet wird von einer Rampe. Somit
erreichen die Fahrer mit ihren Spielzeugautos auf der
abschüssigen Strecke Geschwindigkeiten bis zu 40
Stundenkilometern. Ohne vernünftige Schutzausrüstung
geht also nichts. So quält sich an der Startrampe
Sibylle Gerstner mit Hilfe ihrer Freundinnen Alexandra
Zecherle und Johanna Wibmer in eine Art Rüstung,
bestehend aus Protektoren für Arme, Beine und Rücken.
Bei schwülwarmen Temperaturen um die 30 Grad wahrlich
kein Vergnügen für die jungen Frauen, die für das Team
„Die Körner“ antreten. Unter der Hitze stöhnend wird
noch das rot-schwarze Eishockeytrikot übergezogen.
Geschafft. Dem Rennen steht nichts mehr im Wege.
Die weiteste Anreise an diesem Tag hat Dominik Rivola
auf sich genommen. Er hat über Bekannte vom Rennen in
Irgertsheim erfahren und sich daraufhin vom über 50
Kilometer entfernten Meitingen auf den Weg gemacht. In
der „Superklasse“, wo sämtliche Umbauten am Bobby-Car
zugelassen sind, lässt er dann sogleich die Konkurrenz
hinter sich. Kein Wunder – der Schwabe ist ein alter
Hase was Bobby-Car-Rennen angeht. Wer seinen liebevoll
präparierten gelben Flitzer betrachtet, bemerkt sofort,
dass neben einer gehörigen Portion Wagemut eben auch das
richtige Equipment ausschlaggebend ist.
Im Anschluss an das Rennen lobt Rivola die gute
Organisation der Veranstaltung.
Und diese Organisation übernahm federführend Michael
Schiegl, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr
Irgertsheim. „Die Idee zum Bobby-Car-Rennen kam spontan
bei einer gemütlichen Runde. Das ist etwas über ein Jahr
her“, berichtet Schiegl. Nach zahlreichen Abwägungen und
Besprechungen fiel schließlich die Entscheidung, das
Rennen durchzuführen. Bei der Umsetzung gab es aber
einige Punkte zu beachten. „Wichtig waren vor allem die
Auflagen der Stadt, was die Streckensicherung angeht.
Schließlich sollen ja alle Fahrer heil ins Ziel kommen“,
fügt er hinzu.
Mit der Katholischen Landjugend wurde für die
Organisation noch ein anderer Verein als Partner mit ins
Boot geholt, was sich nochmals positiv auf die Resonanz
ausgewirkt hat.
Bei der Siegerehrung im Hof des ehemaligen Gasthauses
Seiler feiern somit Jung und Alt die großen und
kleineren Erfolge im Rennen. Hier treffen wir auch
wieder die Damen vom Team „Die Körner“. Für sie sprang
leider nur der sechste und somit letzte Platz in der
Teamwertung heraus. Der Stimmung der Damen tut dies
keinen Abbruch. Genau wie alle anderen Teilnehmer und
Zuschauer freuen sie sich bereits auf eine mögliche
Fortsetzung im nächsten Jahr.
Ja, es war eine schöne und unbeschwerte
Veranstaltung. Frei von Unfällen, frei von sonstigen
gröberen Pannen. Und dennoch – was bleibt, ist ein fader
Beigeschmack. Wie wir heute erfahren mussten, wurden in
der Nacht von Samstag auf Sonntag insgesamt sechs
Lautsprecher von der Strecke entwendet. Es handelt sich
hierbei um für den normalen „Hausgebrauch“ kaum
geeignete 100-Volt-Lautsprecher, die in Kunststoffeimern
verbaut worden sind. Die Eimer selbst wurden übrigens
vom Täter zurückgelassen. Besonders traurig ist der
Umstand, dass der Dieb mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit selbst Gast der Veranstaltung war.
Ein außen stehender „Gelegenheitstäter“ hätte die im
Gebüsch angebrachten Boxen sicher nicht erkannt,
geschweige denn gestohlen.
Man sollte sich immer wieder vor Augen führen, dass eine
Veranstaltung wie das „1. Irgertsheimer
Bobby-Car-Rennen“ nur dann gelingen kann, wenn
ehrenamtliche Helfer hierfür ihre eigene Freizeit
opfern. Und viele investieren eben nicht nur Zeit,
sondern sogar eigene Sachwerte. Einer von ihnen ist
Franz Bier. Ohne Franz und seinem unermüdlichen Einsatz
wären viele Veranstaltungen in Irgertsheim kaum denkbar.
Wer sonst könnte durch entsprechendes Equipment und dem
dazugehörigen Know-how eine knapp 400 Meter lange
Rennstrecke quer durch das halbe Dorf beschallen? Es
sind eben nicht nur die Bilder, die im Kopf bleiben.
Nein, auch die richtige Akustik und die richtige Musik
machen eine Veranstaltung zu einem runden, vielleicht
sogar zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle
Besucher.
Wollen wir in Zukunft darauf verzichten? Sollen sich
durch solche Taten die letzten „Ehrenamtler“, die
ohnehin eine aussterbende Gattung repräsentieren, den
Wind aus den Segeln nehmen lassen? Es sind genau solche
Fragen, die sich der oder die Täter vom Samstag gefallen
lassen müssen.
Wir hoffen, dass der Franz und alle anderen Helfer vom
vergangenen Samstag diese Fragen für sich selbst mit
einem entschiedenen „Nein!“ beantworten. Das wäre wohl
das beste Signal gegen Egoismus und Kleingeistigkeit in
unserer Gesellschaft. Man soll die Bibel nicht
überstrapazieren, doch in diesem Fall ruht der letzte
Funken Zuversicht auf dem bekannten Jesuswort „…vergib
ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk 23,34)
Von Alexander Bayerle

Anmerkung: Sollte jemand Hinweise zum Verbleib der
Lautsprecher haben, kann er sich jederzeit an den
Verfasser des Textes wenden.
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