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Mit 40 "Sachen" in die Kurve

 

Länge 75 Zentimeter, Breite 45 Zentimeter, Höhe 50 Zentimeter und ein Gewicht von maximal zehn Kilogramm. Diese Maße sind Voraussetzung, um mit dem eigenen Gefährt am „1. Irgertsheimer Bobby-Car-Rennen“ teilnehmen zu können. Am Samstag traten die Kontrahenten an.

 

 


           

 
 

Die ungewöhnliche Veranstaltung zieht nicht nur knapp 50 Fahrer an – auch mehrere Hundert Zuschauer haben sich an der Rennpiste eingefunden. Franziska Lechermeier ist eine von ihnen. Die Irgertsheimerin hat einen blauen Eimer mit an die Strecke gebracht. Direkt bei der scharfen Kurve an der Dreiländerstraße stellt sie ihn mit der Öffnung nach unten auf dem Gehweg ab, um sich darauf niederzulassen. „Hier hat man doch den besten Blick auf die Strecke“, meint die Rentnerin, während sie gespannt das freie Training mitverfolgt.

Und die Rennstrecke hat es durchaus in sich. Knapp 400 Meter geht es vom Zebrastreifen an der Grundschule bis zu Sparkasse. Gestartet wird von einer Rampe. Somit erreichen die Fahrer mit ihren Spielzeugautos auf der abschüssigen Strecke Geschwindigkeiten bis zu 40 Stundenkilometern. Ohne vernünftige Schutzausrüstung geht also nichts. So quält sich an der Startrampe Sibylle Gerstner mit Hilfe ihrer Freundinnen Alexandra Zecherle und Johanna Wibmer in eine Art Rüstung, bestehend aus Protektoren für Arme, Beine und Rücken. Bei schwülwarmen Temperaturen um die 30 Grad wahrlich kein Vergnügen für die jungen Frauen, die für das Team „Die Körner“ antreten. Unter der Hitze stöhnend wird noch das rot-schwarze Eishockeytrikot übergezogen. Geschafft. Dem Rennen steht nichts mehr im Wege.

Die weiteste Anreise an diesem Tag hat Dominik Rivola auf sich genommen. Er hat über Bekannte vom Rennen in Irgertsheim erfahren und sich daraufhin vom über 50 Kilometer entfernten Meitingen auf den Weg gemacht. In der „Superklasse“, wo sämtliche Umbauten am Bobby-Car zugelassen sind, lässt er dann sogleich die Konkurrenz hinter sich. Kein Wunder – der Schwabe ist ein alter Hase was Bobby-Car-Rennen angeht. Wer seinen liebevoll präparierten gelben Flitzer betrachtet, bemerkt sofort, dass neben einer gehörigen Portion Wagemut eben auch das richtige Equipment ausschlaggebend ist.

Im Anschluss an das Rennen lobt Rivola die gute Organisation der Veranstaltung.

Und diese Organisation übernahm federführend Michael Schiegl, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Irgertsheim. „Die Idee zum Bobby-Car-Rennen kam spontan bei einer gemütlichen Runde. Das ist etwas über ein Jahr her“, berichtet Schiegl. Nach zahlreichen Abwägungen und Besprechungen fiel schließlich die Entscheidung, das Rennen durchzuführen. Bei der Umsetzung gab es aber einige Punkte zu beachten. „Wichtig waren vor allem die Auflagen der Stadt, was die Streckensicherung angeht. Schließlich sollen ja alle Fahrer heil ins Ziel kommen“, fügt er hinzu.

Mit der Katholischen Landjugend wurde für die Organisation noch ein anderer Verein als Partner mit ins Boot geholt, was sich nochmals positiv auf die Resonanz ausgewirkt hat.

Bei der Siegerehrung im Hof des ehemaligen Gasthauses Seiler feiern somit Jung und Alt die großen und kleineren Erfolge im Rennen. Hier treffen wir auch wieder die Damen vom Team „Die Körner“. Für sie sprang leider nur der sechste und somit letzte Platz in der Teamwertung heraus. Der Stimmung der Damen tut dies keinen Abbruch. Genau wie alle anderen Teilnehmer und Zuschauer freuen sie sich bereits auf eine mögliche Fortsetzung im nächsten Jahr.

 


Ja, es war eine schöne und unbeschwerte Veranstaltung. Frei von Unfällen, frei von sonstigen gröberen Pannen. Und dennoch – was bleibt, ist ein fader Beigeschmack. Wie wir heute erfahren mussten, wurden in der Nacht von Samstag auf Sonntag insgesamt sechs Lautsprecher von der Strecke entwendet. Es handelt sich hierbei um für den normalen „Hausgebrauch“ kaum geeignete 100-Volt-Lautsprecher, die in Kunststoffeimern verbaut worden sind. Die Eimer selbst wurden übrigens vom Täter zurückgelassen. Besonders traurig ist der Umstand, dass der Dieb mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit selbst Gast der Veranstaltung war. Ein außen stehender „Gelegenheitstäter“ hätte die im Gebüsch angebrachten Boxen sicher nicht erkannt, geschweige denn gestohlen.

Man sollte sich immer wieder vor Augen führen, dass eine Veranstaltung wie das „1. Irgertsheimer Bobby-Car-Rennen“ nur dann gelingen kann, wenn ehrenamtliche Helfer hierfür ihre eigene Freizeit opfern. Und viele investieren eben nicht nur Zeit, sondern sogar eigene Sachwerte. Einer von ihnen ist Franz Bier. Ohne Franz und seinem unermüdlichen Einsatz wären viele Veranstaltungen in Irgertsheim kaum denkbar. Wer sonst könnte durch entsprechendes Equipment und dem dazugehörigen Know-how eine knapp 400 Meter lange Rennstrecke quer durch das halbe Dorf beschallen? Es sind eben nicht nur die Bilder, die im Kopf bleiben. Nein, auch die richtige Akustik und die richtige Musik machen eine Veranstaltung zu einem runden, vielleicht sogar zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle Besucher.

Wollen wir in Zukunft darauf verzichten? Sollen sich durch solche Taten die letzten „Ehrenamtler“, die ohnehin eine aussterbende Gattung repräsentieren, den Wind aus den Segeln nehmen lassen? Es sind genau solche Fragen, die sich der oder die Täter vom Samstag gefallen lassen müssen.

Wir hoffen, dass der Franz und alle anderen Helfer vom vergangenen Samstag diese Fragen für sich selbst mit einem entschiedenen „Nein!“ beantworten. Das wäre wohl das beste Signal gegen Egoismus und Kleingeistigkeit in unserer Gesellschaft. Man soll die Bibel nicht überstrapazieren, doch in diesem Fall ruht der letzte Funken Zuversicht auf dem bekannten Jesuswort „…vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk 23,34)

Von Alexander Bayerle



Anmerkung: Sollte jemand Hinweise zum Verbleib der Lautsprecher haben, kann er sich jederzeit an den Verfasser des Textes wenden.
 

 

 

 

13.08.2011